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Hat „Big Data“ den US-Wahlkampf gewonnen oder doch nicht?

Das Interview mit dem Entwickler und in der Folge etliche Artikel darüber, wie „Cambridge Analytics“ die US-Wahlen beeinflusst hat, sorgen gerade für viel Wirbel. Bei den Kommentaren und Diskussionen geht einiges durcheinander und entsprechend gibt es die üblichen Empörungswellen und Verbotsforderungen.

Wie funktioniert nun das System, das Cambridge Analytics vermarktet? Zunächst einmal muss deutlich gesagt werden, dass es hier um Daten geht, die durch ein Werbenetzwerk – genauer: Facebook-„Likes“ – erfasst wurden. Der Auswertung dieser Daten haben die Nutzer in einer AGB zugestimmt, die zumindest nach US-Recht legal ist.

Ein Teil der Aufregung lässt sich wohl damit erklären, dass etlichen Internetnutzern allmählich klar wird, dass ihre Zustimmung zur „Profilbildung, damit wir Ihnen passgenaue Werbung einblenden können, die weniger nervt“ eventuell weiterreichende Folgen haben könnte, als der blinkende Hinweis auf das Sonderangebot der Woche. Denn was Cambridge Analytics (CA) gemacht haben will, ist, dass sie basierend auf „Likes“ ein Persönlichkeitsprofil erstellten und auf dieses Persönlichkeitsprofil abgestimmte Werbung – nur eben in diesem Fall für eine politische Idee – einblendeten.

Dabei gab es zwei Ziele. Das eine versteht jeder sofort: mehr Wählerstimmen für den Kandidaten. Daher bekommt der ängstliche Wähler eine Werbebotschaft, die für Sicherheit wirbt, der konservative Wähler eine die für Wohlstand und Beständigkeit steht. Neu ist hier allerdings, dass man nicht riesige Bevölkerungsgruppen als pauschales Ziel nimmt, sondern kleinteiliger vorgeht und damit – so die Behauptung – genauer die „wunden Punkte“ bei der Zielperson erreicht.

Wahlen werden durch prozentuale Anteile an den abgegebenen Stimmen gewonnen, daher gewinnt man, indem man mehr Stimmen für den eigenen Kandidaten bekommt oder der Gegner weniger Stimmen als man selbst erhält.

Entsprechend ist das andere im Interview erwähnte Ziel für den Verkauf eher uninteressant, bei Wahlen aber wichtig: Das Verhindern von Stimmen für den Gegner. Hier geht es nicht darum, um Stimmen für den eigenen Kandidaten zu werben, sondern Wähler, die für den Gegner stimmen würden, von dieser Stimmabgabe abzuhalten. Sie sollen ihre Meinung gar nicht ändern, aber genug verunsichert werden, dass sie sich enthalten oder erst nicht zur Wahl gehen. Als Beispiel wird angeführt, dass die Botschaft z.B. lauten kann: „Dein eigentlich bevorzugter Kandidat hat etwas getan, was deinem Arbeitsplatz schadet.“

Es geht bei den Wahlkampfaktivitäten von Cambridge Analytics also nicht darum, große Wählergruppen zu erreichen und deren Meinungen zu ändern, sondern bei knappen Verhältnissen, die wenigen wahlentscheidenden Prozente umzusetzen.

CA hat für Trump nicht den Wahlkampf in dem Sinn gewonnen, als dass man Trump dort erst bekannt und beliebt gemacht hat. Die nötige Reichweite und den Bekanntheitsgrad hatte er schon vorher durch die klassischen Massenmedien erreicht: Print (Boulevardpresse und Wirtschaftspresse) und TV (seine Reality-Show „The Apprentice“). Es wird auch nicht behauptet , dass die von Cambridge Analytics verwendete Methode 100 Prozent Treffer- und Umsetzungsquote hat. Behauptet wird aber, in einem sehr knappen Wahlkampf – im Hinblick darauf, was im US-Wahlsystem tatsächlich wahlentscheidend ist – die letztlich entscheidenden Stimmen geliefert zu haben.

Dass CA die dafür erforderliche Menge User erreicht haben kann, scheint durchaus plausibel. Wie relevant die Methode bleibt, wenn mehrere Kandidaten sie gleichzeitig anwenden, werden wohl zukünftige Wahlkämpfe zeigen. Sicher ist nur: Cambridge Analytics wird dabei sehr, sehr viel Geld verdienen.

SWIFT

Den meisten Bankkunden ist nicht bewusst, dass sämtliche Überweisungsdaten derzeit in Kopie über einen SWIFT-Server laufen, der in den USA steht. Dadurch können US-Behörden auf sämtliche Banktransaktionen zugreifen.

Eigentlich sollte der neue Server in der Schweiz diese Kopiefunktion übernehmen – unter anderem, um den Datenzugriff durch die USA zu unterbinden.

Nun ist das neue Rechenzentrum kurz vor der Inbetriebnahme, und es stellt sich heraus, dass die EU Kommission plant, die Daten den US Behörden weiter verfügbar zu machen. Eventuell auf Anfrage, aber nach funktionierendem Datenschutz der EU-Bürger sieht das nicht aus.

Immerhin gibt es nun Widerstand gegen den Datenabfluss Richtung USA.  Leider sind die SWIFT-Daten nicht das einzige “Datenleck” Europas, aber die Zeiten, in denen die Bürger nicht nachfragten, wo ihre Daten ausgewertet werden, sind hoffentlich vorbei.

http://www.heise.de/newsticker/Scharfer-Kritik-an-geplantem-EU-Abkommen-ueber-US-Zugriff-auf-Bankdaten–/meldung/142566