Tag: Kandidatur

Bundestagswahl

Die Landeslisten für die Bundestagswahlen sind auch so ein Thema, über das wir zu wenig reden. Naja, nicht alle – aber „die Basis“ hat das Thema noch nicht wirklich auf dem Schirm. (Zumindest nicht hier in NRW, wo wir zugegebenermaßen auch durch die vorgezogene Landtagswahl abgelenkt waren.)

 

Wenn ich richtig informiert bin, steht bereits fest, dass wir Landeslisten machen werden. Das heißt, dass jedes Bundesland eine eigene Kandidatenliste aufstellen wird, die dann anteilsmäßig „ziehen“ werden.

 

Soweit, so gut: Die meisten Kandidaten werden ohnehin nur regional / in den Ländern bekannt genug sein, um eine halbwegs fundierte Wahl durchführen zu können. Es ist auch kein Geheimnis, dass ich – zumindest für NRW – wieder gern das Approval-Voting im Einsatz sehen würde: Bei der Aufstellung der Landtagskandidaten haben wir damit eine gute Wahl getroffen und allein die Tatsache, dass mindestens 50 % der Anwesenden einen Kandidaten für geeignet halten, sorgt für die nötige „Verankerung“ in der Basis.

 

ABER: Ich möchte, dass wir uns vorher der Konsequenzen bewusst sind. Das Wahlverfahren wird dafür sorgen, dass wir – selbst wenn wir auf den Listen noch eine einigermaßen akzeptable Zahl an Kandidatinnen haben – wir wahrscheinlich eine Männergruppe mit vereinzelten Frauen in den Bundestag schicken werden.

 

Warum? Ganz einfach: a) wir haben in der Partei nun mal tendenziell weniger Frauen und damit auch logischerweise weniger Kandidatinnen als Kandidaten b) von den Frauen, die sich tatsächlich um ein Mandat bewerben, haben nur wenige die nötige „Reichweite“, um auf einen der vorderen Listenplätze zu kommen – und letztendlich werden nur die relevant sein. (Meiner Ansicht nach korrelierte bei der NRW-Aufstellung die Listenverteilung weniger mit Geschlecht als mit „Reichweite“, d. h. Aktivitäts- und Bekanntheitsgrad. Auch das ist OK: Es wurden tendenziell eher Leute nominiert, die man bereits kennt und deren Verhalten und Haltung in diversen Situationen bereits bekannt und damit relativ einschätzbar ist.)

 

Ich bin gegen eine Frauenquote innerhalb der Piraten und auch bei der Listenaufstellung (nicht in der Wirtschaft – gläserne Decken sind ein anderes Thema), auch wenn ich von ihr profitieren würde. Ich schreibe diesen Text, weil ich hinterher nicht das Gejaule hören will, dass wir wieder „viel zu wenige Frauen“ in den Bundestag schicken. Unsere Zusammensetzung und die Zahl der Frauen mit „Reichweite“ wird sich bis zu den Nominierungen nicht mehr grundsätzlich ändern. Wenn etwas aber so offensichtlich ist, dann erwarte ich auch genügend Rückgrat: Ohne Quoten werden wir nur wenige, im Extremfall (von dem ich nicht ausgehe, weil ich glaube, dass z. B. Berlin sehr viele Frauen nominieren wird) werden wir sogar keine Frauen in den Bundestag schicken – und ich will dann hinterher nicht wieder das gleiche Gejammer hören, dass wir jedes Mal hinterher beim Durchzählen des Frauenanteils hören. Zumindest will ich es nicht von Piraten hören.

 

Wem es so wichtig ist, dass Männer und Frauen relativ gleichmäßig verteilt auf den Listen kandidieren, derjenige muss dann auch für eine Quote sein. Wer aber die Quote ablehnt sollte a) weder Druck auf Frauen ausüben auch gegen ihre Überzeugung zu kandidieren b) hinterher nicht die Frauen abzählen c) nicht so tun, als ob eine Männerriege nicht absehbar war.

 

Übrigens: Ich denke noch immer ergebnisoffen über eine Kandidatur nach. Mein Mann und ich werden entsprechend darüber noch öfter und in Ruhe reden – ja, Kandidaturen betreffen auch Angehörige und deren Lebensplanung – ich verspreche aber, dass es keine „Spontankandidatur werden wird. Wie ich übrigens von ALLEN Kandidaten erwarte, dass sie sich vorstellen und „grillen“ lassen – auch wenn sie unsicher sind: Zurückziehen kann jeder auch in der letzten Sekunde, aber die Möglichkeit zur eingehenden Befragung und Vorstellung muss im Vorfeld gegeben sein, denn bei den Versammlungen haben wir nicht die Zeit dafür.

 

Tl,dr: Nur die vordersten Listenplätze der Landeslisten werden bei der Bundestagswahl tatsächlich relevant sein. Wenn da keine Frauen dabei sind, sind eben keine Frauen in der Bundestagsfraktion. Deal with it.

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