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Vom Picknick in öffentlichen Räumen

Dass die Online- und Jugendkultur von Offlinern und Beamten (Spezies: “Internetausdrucker”) gern mal missverstanden und fehleingeschätzt wird, hat sich inzwischen wohl herumgesprochen.

Noch nicht bis Braunschweig. (Jetzt hatte ich tatsächlich erst “Bielefeld” getippt. Hilfe: Mein Hirn ist ein Klischee.)

Definitiv erzeugt das eher leyenhafte Verbot schonmal mehr Aufmerksamkeit für den – nun verbotenen – Flashmob, als dieser ohne Verbot je erreicht hätte.

Musste man denn wirklich gleich den Amtsschimmel loslassen: Hätte man nicht “schlimmstenfalls” eine Müllrechnung androhen können? Oder das Kaufhaus als Sponsor einspringen lassen? Im Zweifel hätte ein “kommerzieller” Hintergrund mehr Leute abgeschreckt als ein Verbot … aber ne …

Die Stadtverwaltung Braunschweig hat offenbar noch nie vom “Streisand-Effekt” gehört, bzw. sich noch nie Gedanken über Werbeeffekte gemacht, ganz egal wie man sie nun nennen mag. Angesichts der Energie, die man in die Recherche des “Flashmob-Aufrufers” gesteckt hat, beeindruckend.

Was allerdings Verbote von Versammlungen im öffentlichen Raum bewirken können, hat 2006/07 auch die Stadtverwaltung von London erfahren, die sich nach einem unglücklich formulierten Sperrzonengesetz, mit “Mass Lone Demonstrations” konfrontiert sah. (Bei Flickr als “mass lone demonstration getaggt – z.B. hier ).

Auch dort hat – zumindest nach der Beschreibung des Comedians Mark Thomas, der später die regelmäßigen Demonstrationen organisierte – alles mit einem Picknick angefangen.

Genauer gesagt: Mit einem Kuchen, auf dem in Zuckerschrift das Wort “Peace” geschrieben war, und der im öffentlichen Raum (genauer: auf dem Parliament Square) verspeist wurde. Dies wurde als unangemeldete Demo gewertet und entsprechend geahndet.

–  Woraufhin die Stadtverwaltung mit Massen-1-Personen-Demoanmeldungen überschwemmt wurde: Jede zu einem eigenen “Anliegen”: Wiedereinführung von Capes bei der Polizei, Freigetränke für Demonstranten, Various People against Bad Things etc. Ich erinnere mich auch auch vage an ein Foto einem Schild “Keine Kalorien in Schokolade.”

http://www.markthomasinfo.com/section_writing/default.asp?id=23

Dieser unterhaltsame, aber leider auch englischsprachige Artikel berichtet über Thomas’ Guiness-Buch Rekord für die meisten Demonstrationen an einem Tag – alle in der SCOPA-Zone: http://www.guardian.co.uk/politics/2006/oct/12/houseofcommons.comment .

In Braunschweig dürfte die “Gefahr” für 1-Person Massendemos recht überschaubar sein. Eher scheint es, dass sich erdnusskauende Menschen mit Handtüchern zufällig zeitgleich treffen könnten. Hoffentlich hält der Asphalt die Fußgänger aus.

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