Tag: Bullshitbingo

Talk like a Pirate – NOT

Auf Phoenix hat sich heute (wieder einmal) ein Kernproblem der Piraten, aber auch der Politik generell gezeigt: Es ist schwierig, komplexe Themen knapp zu erläutern, besonders wenn die Zuhörer wenig oder ungenaue Vorinformationen zum Thema haben.

Positiv formuliert, war es sicher ein Gewinn, dass sich kein lautstarker, emotionalisierter Wortstreit ergab. Das Bullshitbingo hielt sich damit in überschaubaren Grenzen.

Leider gab es aber auch überschaubare Grenzen beim Informations- und leider auch Unterhaltungsgehalt der Sendung.

Ich saß weit genug von unserem Wohnzimmertisch entfernt, dass die entsprechnde Kante keine Biss-Spuren zeigt, aber die Kommunikationsprobleme waren nun wirklich keine Überraschung:  Jeder, der der Generation 55+ schon einmal bei Computerproblemen beigestanden hat, kennt das Problem.  Eigentlich eindeutige Fachbegriffe werden falsch verwendet oder nicht verstanden*, Vorstellungen aus der “realen Welt” werden 1:1 auf Netzphänomene übertragen, vage Vorstellungen vom Internet werden mit Schlagworten aus den Medien zu abenteuerlichen Konstrukten verbunden.

Dagegen lässt sich etwas tun.

Gängige Diskussionsrunden im Fernsehen sind generell schlecht geeignet älteren Menschen zu erläutern, was nun das Problem bei der bestehenden Regelung ist.

Wahrscheinlich hilft hier tatsächlich nur, das zu tun, was die erfahrenen Politker machen und zum bekannten “Bullshitbingo” führt: Knackige, kurze, verständliche Aussagen konsequent in Interviews wiederholen, sodass ggf. direkt nach Vertiefung gefragt wird und/oder der Zuschauer das Gefühl hat, dass er schon ungefähr verstanden hat, worum es geht.

Allgemeinverständliche, kurze Erläuterungen zu verschiedenen “Selbstverständlichkeiten” aus dem Umfeld der “neuen” Medien sind aber tatsächlich kaum zu finden.

Weder für netzbegeisterte Enkel, noch für Journalisten unter Zeitdruck bestehen Ressourcen (ok, zumindest keine die mir bekannt wären), die knapp und ohne Exkurse zu technischen oder juristischen Details z.B. das Problem bei Patenten erläutern, oder auch nur beschreiben, warum man im Netz eben nicht anonym unterwegs ist.

Ein Gegen-Bingo muss her.

Leider fällt ein  “Gegen-Bingo” nicht vom Himmel. Aber das Netz ist groß, und die Blogger clever: Wenn in den *hüstel* nicht ganz effektiven Arbeitsphasen der ein oder andere “DAU-freundlichen” Textbaustein entsteht, dürfte sich auch das Kommunikationsproblem beseitigen lassen.

Ich werde jedenfalls notieren, welche Vergleiche und Beschreibungen in meinem Umfeld verstanden werden. (Von Leuten, die eben nicht wissen, was ein Browser ist, aber trotzdem verstehen, dass Bürgerrechte auch im Internet gelten sollten.)

*Wobei mich Scholz’ Ausführungen zum Urheberrecht, Nutzungsrecht und Patenten nun doch verblüfft haben.  (Für die Zuschauer war dieser Teil der Debatte ein guter Zeitpunkt Getränke aus dem Kühlschrank zu holen.) Die Antworten “Software als Gedicht, nicht als Patent” waren allerdings auch nicht besser.

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