Piraten und Kreative – mal wieder das Urheberrecht

Wenn ich Zeit dafür finde, werde ich den unten stehenden Text noch zu einem Blogeintrag überarbeiten. Erstmal also nur ein Copy-Paste von der Mailingliste:

Hi!

Ich bin “neu” auf der Liste hinzugekommen. U.a. weil ich bei Diskussionen auf Twitter auf Felicea und Boris traf. (Letzeren auch mal in RL.)

Ich halte die derzeitige Diskussion wie sie bei den Piraten läuft für sehr ideologisch und emotional aufgeladen – und daher leider auch sehr kurzsichtig.

Zum einen, weil – nicht von allen, aber oft sehr lautstarken – Piraten zu hören ist, dass Kreative (ich nehme das Wort jetzt mal für alle Kontent-Ersteller, ob das Autoren, Musiker, Maler etc. sind) Schmarotzer an der Gesellschaft seien* und nicht erwarten dürfen, für ihr “Hobby” Geld zu verdienen.

Wer glaubt, dass das übertrieben ist: Die Diskussion in dieser Form hatte ich mehr als einmal (u.a. live in Chemnitz). Positionen wie diese haben uns nicht nur die Sympathien und politische Glaubwürdigkeit, sondern auch die Mitgliedschaft und Unterstützung genau der Leute gekostet, die uns als potentielle Mulitplikatoren begegnet waren.

Die wenigsten Piraten kennen die Uppsala-Declaration. Noch weniger haben je von Fair Use gehört, und wie es in anderen Ländern eingesetzt wird, um Abmahnunfug und Kreativitätsschranken à la Deutschland zu verhindern oder zumindest einzuschränken.

Statt die Position von Kreativen gegenüber von Verwertungsgesellschaften
(Stichwort: Buy-Out Verträge, Gesamtabtretung) zu stärken, die – nicht per se, aber in ihrer Ausformung als profitoptimierte Abmahnungsmaschine – sowohl ein Problem für Kreative als auch für die User darstellen, wird auf die Kreativen eingedroschen.

Wir wollen, dass Arbeit anders gestaltet wird. Wir wollen auch, dass Arbeit anerkannt wird und zu einem Einkommen führen kann, das über eine wie-auch-immer-genannten Grundsicherung hinausgeht. Wir wollen all das:
Außer, wenn jemand sagt, dass er sein Geld als Kreativer verdienen will (und kann! – ich rede nicht von Leuten, die völlig am Markt vorbeibasteln, sondern von denen, deren Werke tatsächlich nachgefragt und geschätzt werden). Wenn ich für jedes “der Künstler kriegt eh BGE, der braucht seine Werke nicht als Einkommensquelle” 2 EUR gekriegt hätte, könnte ich inzwischen in den Urlaub fahren.

Ja, ich glaube, dass wir eine neue Diskussion brauchen. Aber nicht um 5, 10, 20 oder 30 Jahre Urheberrecht, sondern über Mechanismen der Medienwirtschaft. Über eine großzügige Fair Use-Regelung (die sich übrigens auch hervorragend als politisches Nahziel anbietet) und über die Knebelverträge von Gema, VG-Wort und Co, die heute Künstlern verbieten,ihre eigenen Werke auch mal zu verschenken oder einzelne Stücke oder eine Jahresproduktion unter CC zu stellen.

Wir sollten mehr darüber reden, wie wir es Kreativen leichter machen, ihre Werke auf alternativen Wegen anzubieten. (Dazu gehört übrigens auch die Frage nach einem gebührenfreien, bargeldähnlichen Mikropayment.)

Es ist nicht unser Job, Kreativen das Leben schwerer zu machen, sondern ihnen und uns allen Freiräume bei der Erstellung und beim Umgang und der Weiterentwickung der kreativen Werke zu schaffen und zu garantieren.

Insofern: Ein netter Artikel, aber ich halte ihn für zu ungenau und ohne echte Vision, um eine Debatte beflügeln zu können.

cya,
Cae

*”Logik”: Jedes Werk basiert auf der Allmende und ist daher ein Teil von dieser. Wer also ein Werk schafft und nicht frei verfügbar macht, wird dadurch zum Dieb.

Hm … nachdem ich den Blogartikel noch immer nicht geschrieben habe, packe ich dies hier direkt auch ins Blog.

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One thought on “Piraten und Kreative – mal wieder das Urheberrecht

  1. Es gibt einfach zu viele FLOSS-Programmierer in dieser Partei. 😉

    Also meine Unterstützung hast du. Wenn mehr Ahnung von dem Thema hätte, wäre ich auch gerne aktiv dabei, aber ich fürchte ich kann da nur begrenzt was dazu beitragen. :/

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